Samstag, 20. September 2008

Eidg. Dank-, Buss-, und Bettag

Der britische Künstler Damian Hirst hat mit seiner Rekord-Kunstauktion bewiesen, dass mit religiösen Versatzstücken der jüdisch-christlichen Tradition auch mitten im Börsencrash ganz grosse Kasse gemacht werden kann. In einem Beitrag zum Bettag 2005 habe ich die Abwendung vom "Goldenen Kalb" hin zum mosaischen Bund als das prophetische Urdrama des Dank-, Buss-, und Bettags bezeichnet.

Am 3. Septembersonntag müssen wir uns den prophetischen Fragen zu unserem Bund, der Schweizerischen Eidgenossenschaft stellen. Welches sind die Götzen unserer Zeit, die uns den Bund der Eidgenossen vergessen lassen? Wie können wir zum weiteren Gedeihen unseres Staatswesens innerhalb der Christenheit beitragen als Christen (Katholiken, Reformierte, Altkattholiken) oder Juden oder (gerade im Vorfeld der Minarett-Initiative) Muslimen?


Mustergültig wie Kolumnisten-Doyen Ramspeck im Blick den Tag auf Boulevard-Niveau würdigt.


Mittwoch, 10. September 2008

„Wir korrigieren uns selbst“ (Gertrud Höhler)

Heute 21.15 auf 3sat „Swissness – oder die neue Liebe zum alten Schweizerkreuz“


Ein Blick in die Statistik
Wir produzieren viel:
Am meisten: nationale Mystik.
Erich Kästner (um 1933)



Reizwort. Am schwersten tut sich mit der „swissness-Euphorie“ laut einer Studie des gfs-Institut die 40-65 jährige sozialdemokratische Wählerschaft: diese Generation, die zwischen Peter Bichsels „Des Schweizers Schweiz“ (1967) und der Weigerung der linken Intelligenzja 1991 über die 700jährige Eidgenossenschaft nachzudenken („Siebenhundert Jahre sind genug“) sich ein Weltbild des feministischen Anti-Spiessertums gegen die „geistige Landesverteidigung“ der vor68er gebastelt hat (siehe dieser "Kulturplatz" von SF). Wie effektiv dieser mentale Graben funktioniert, zeigte Anita Fetz anlässlich jener UNO-Debatte im Jahre 2001, die sie im eben trendig gewordenen swissness-t-shirt bestritt, wobei sich bei ihren SP-Genossinnen nicht nur die Nackenhaare sträubten, sondern auch – wie Figura zeigt ­– ein gernzitiertes „Ikon“ des Polit(Ego)marketings entstand. Wie breit das Anliegen mittlerweile abgestützt ist, zeigt dass sich SP-Frau Fetz mit SVP-Frau Jasmin Hutter einig sind, dass das Schweizer Wappen, bzw. die Herkunkunftsbezeichnung „Made in Switzerland“ eines verstärkten rechtlichen Schutzes bedarf. Dies obschon sich Miliz-Offiziere der beiden Parteien über Armeegrösse und Heimfassung der Dienstwaffe total uneins sind.

Dienstverweigerung. Diese tiefe Spaltung der Schweiz nach dem Fall der Berliner Mauer zeigte sich erstmals bei der EWR-Abstimmung 1992. Buchmüller setzt denn auch hier an und lässt die Geschichte des helvetischen Heimatgefühls gerafft Revue passieren: Vorwürfe wegen der Holocaust-Gelder, Bergierkommission, Grounding der Swissair und Design der neuen Marke „swiss“ durch den Ausländer Tyler Brulé, selbstironische „expo.02“ bis zur swissness-Euphorie der letzten Jahren, die 2005 in der Wahl des „erfolgreichsten Mister-Schweiz“ Renzo Blumenthal gipfelte: ein Bio-Bergbauer aus Romanischbünden. Buchmüllers Film hangelt sich den trendigen Marketing-Bildern entlang und illustriert damit auch die geistige Ratlosigkeit, welche den eher linken „Mainstream“ befällt, wenn er die „Marke Schweiz“ in einem globalen Markt positionieren muss. Hier versucht der Historiker Jakob Tanner ­– der Zuschauer urteile mit welchem Erfolg - die intellektuelle Ehre seiner Generation zu retten.

Selbsthilfe. Gerade Firmen, die global tätig sind oder versuchen, ein Produkt über „innere Werte“ zu verkaufen, sahen sich durch einen Grossteil der „heimatmüden“ schweizerischen Intelligenz im Stich gelassen. Der Seifensieder und Unternehmensberater Mark Laager etwa, reservierte früh (2001) die Domain http://www.swissness.ch/ um ein – bisher unbenütztes – Forum des Nachdenkens über „the swiss way of business“ zu schaffen. Jüngstes Beispiel der geistigen Selbsthilfe an der Front, ist der schweizerische Botschafter in Strassburg, Paul Widmer, der in seinem Buch „Die Schweiz als Sonderfall“, provokativ den seit 1991 selbst in Diplomatenkreisen verpönten Begriff als unverzichtbares „tool“ einer schweizerischen Diplomatie herausstreicht.

Gastarbeiter. Es sind denn auch die „geistigen Gastarbeiter“ in Buchmüllers Dokumentation, welchen die rhetorischen Rosinen aus dem Mund purzeln. Der Italo-Berner Massimo Rocchi erweist sich wieder einmal als tiefsinniger, geduldiger und liebevoller Beobachter unserer Eigenart und wenn die Literaturprofessorin Gertrud Höhler (einst Gefährtin des 68er Literaten Fauser, später geschätzte Beraterin von CDU-Bundespräsident Roman Herzog) mit ihrem wunderbaren deutschen Damengesicht kristallklare Apercus über den ethischen Gehalt des Bankgeheimnis ausspricht, dann fassen wir Eidgenossen eher Vertrauen, als wenn uns dasselbe in juveniler Brachialrhetorik vom Chefredaktor der „Weltwoche“ verkündet wird. Der Film Buchmüllers ist ein guter Denkanstoss in süffigen Bildern. Die Debatte über das Selbstverständnis der Schweiz muss weiter geführt werden.

3sat, 10.9.2008, 21.15: „Swissness – die neue Liebe zum alten Schweizerkreuz“ Doku von Ernst Buchmüller. Trailer auf http://www.youtube.com/user/ebuchmueller
Widmer, Paul. Die Schweiz als Sonderfall: Grundlagen, Geschichte, Gestaltung. Verlag Neue Zürcher Zeitung. 2007

Dienstag, 9. September 2008

Über den "Bruch" von 1968 zurück visieren

"Oder der Publizist Hans Habe: ich hatte von ihm einen oder zwei Zeitungsartikel gelesen und mich gewundert, wie jemand so klug und elegant schreiben konnte. Als ich aber später mitbekam, dass er die Studentenbewegung kritisierte, war er für mich erledigt. Vor kurzem las ich zum ersten Mal in seinen Schriften und entdeckte einen brillanten Autor mit einer faszinierenden Biografie, dessen Polemik gegen die 68er scharfsichtig und präzis war und der deswegen aus den Debatten verschwand. Als er 1977 in Ascona starb, war er für die meisten Jüngeren ein Unbekannter. "
Eugen Sorg, "1968: Klassenfoto" in: Weltwoche 09/2008


Die Ergebnisse des verklärten Umbruchs von 1968 werden derzeit von den ergrauten "Siegern" in den Medien und auf den Lehrstühlen geschrieben. Ich möchte aber ausgehend von der selbstkritischen Bemerkung Eugen Sorgs in diesem Post auf die "Verluste" dieser Revolte hinweisen. Denn bei Lichte betrachtet erscheinen die Leistungen der gerühmten 68er nicht immer im grellsten Licht. Die Generation, die auszog, die Mythen der Väter zu zertrümmern und auf eine schwammig skizzierte "Utopie" lossteuerte, hat vieles in Grund und Boden gestampft, was eigentlich durchaus mehr Beachtung verdient hätte und wohl vor der Geschichte mehr Bestand haben wird als manche geschraubte Konstruktion dieser "Erneuerer". Der amerikanische Historiker Anthony Grafton sagte mir einmal - auf seinen Balzan-Preis (2002) als Ausweis von Brillanz angesprochen - : "Ach wissen Sie, das hat mit Brillanz nichts zu tun, in meiner Generation (*1950) genügte es schon fleissig zu sein, irgendwann war man dann ein "Sonderfall". Die sogenannten 68er haben den Marsch durch die Institutionen in der Toskana beendet".


Es lohnt sich also die Brockenhäuser und Antiquariate nach den heute vergessenen Büchern zu durchforsten, die nun aus den Nachlässen der wegsterbenden "vor68er" für neue Leser und Interpretationen frei werden. Denn wenn meine Generation noch im "Mythos von 1968" gross geworden ist, so ist es die Aufgabe der nun heranwachsenden Generation, wieder in kreativer Aneignung der Tradition Kontinuitätslinien über den etwas überschätzten Bruch von 1968 hinwegzuziehen und die angeblich "zerstörten Mythen" für sich neu zu entdecken. Wir leben also heute durchaus in aufregenden Zeiten.

Not-wendiges Schreiben


Kennern der Materie ist wohl aufgefallen, dass ich für den Titel meines Blogs den Cover des Landi-Buches 1939 von Gottlieb Duttweiler verwende. Dieses Buch in Riesenauflage in sehr guter Druckqualität auf den Tiefdruckmaschinen der Ringier & Co Zofingen und die Farbfotos auf den Photocolor-Tiefdruckmaschinen der Conzett & Huber, Zürich gedruckt, fasst die kompakte Leistung der "Landi 39" zusammen, der Landesausstellung welche die Leistungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Augenblick der Grössten Gefahr zusammenfasst. Es handelt sich also um "not-wendige" Texte im Sinne Walter Benjamins, welcher in seinem Essay 1940, kurz vor seinem Selbstmord an der Spanisch-Französischen Grenze, Geschichte als Bild definiert, das "im Augenblick der Gefahr" aufblitzt.
Vergangenes historisch zu artikulieren heißt nicht, es erkennen ‚wie es eigentlich gewesen ist’. Es heißt sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt. Dem historischen Materialismus geht es darum, ein Bild der Vergangenheit festzuhalten, wie es sich im Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt.
Duttweilers Fotobuch über die Landi 39 will ich als Ausgangspunkt einer pathetischen "swissness zu Tode" (1933 - 1968) in diesem Blog verwenden, um über die Umbruchzeiten von 1761 - 1848 (Sattelzeit) und 1515 - 1576 (Reformationszeitalter) in den Kern der "Swissness" zurück zu visieren. Denn der "Landi-Geist" wurde in den letzten 40 Jahren stark verteufelt, er ist so weit weg, dass er eine wunderliche Aura gewonnen hat, die auf die Beschäftigung mit der "swissness" neu zu befragen ist. Darum werde ich mir erlauben, Blog-Posts mit Bildern aus diesem Landi-Kultbuch zu illustrieren, um eine produktive Spannung zwischen dem "im Augenblick der Gefahr aufblitzenden Ideal der Geschichte" und der Gegenwart aufzubauen.
Der Anspruch an "not-wendige" Texte, will ich auch für die Blog-Posts mir auferlegen, um hier nicht allzu geschwätzig zu werden.

Hinweise auf Aktuelles

Kaum habe ich die "Kategorien" für meinen Blog festgelegt, schon weiche ich in der "Feinarbeit" ab. In diesem Eintrag geht es nicht um Eigenleistungen sondern lediglich um Hinweise auf Medienbeiträge die im Zusammenhang mit meinen thematischen Kategorien stehen.

Der Zürcher Tages-Anzeiger publiziert heute einen Hinweis mit schöner Bildstrecke auf die am 19. September im Schloss Pragnins öffnende Ausstellung über die Trinksitten der Eidgenossenaschaft. Wir haben schon im post über den "botellon" auf das Thema aufmerksam gemacht: Hier gibt es weitere Anregungen zum Weiterdenken.

Auf 3Sat findet morgen Mittwoch ein Themenabend zur Schweiz und der swissness statt. Sehr empfehlen möchte ich die Dokumentation von Ernst Buchmüller "Swissness – oder die neue Liebe zum alten Schweizerkreuz" (Hier der Trailer). Eine Vorrezension des Films von mir druckte gestern die "Basler Zeitung" (nicht online: Baz abonnieren! ist auch als E-Paper möglich). Werde morgen Mittwoch den Text aber auch hier zugänglich machen.

http://www.youtube.com/watch?v=O8iXhlHBBrQ

Als nächstes Blog-relevantes Thema werde ich mich über "not-wendiges Schreiben" äussern.

Samstag, 6. September 2008

Meine "Kategorien" für den Blog

Der grosse Reichenstein hat im Blog-Gespräch mit Ronnie Grob zwei Kriterien der Relevanz genannt für einen guten Blog:

"Zum einen ist Relevanz ja perspektivisch (jeder findet andere Dinge relevant), zum anderen aber kategorisch (ein Musikheftli sollte nicht ueber Lastwagenmotoren schreiben).
Perspektivisch definiert sich Relevanz fuer mich vorerst durch die Inhalte. Wer faehig ist, konsistent eigene Inhalte zu bringen, die entweder einen substanziellen Informationswert oder einen besonderen Unterhaltungswert (besser noch: beides zusammen) liefern, ist fuer mich relevant. Was die Substanzialitaet anbelangt, wuerde ich bei jeder Art von journalistischem Text ebenso journalistische Kriterien anwenden.
Kategorisch relevant ist ein Blog dadurch, dass er ein Set zusammenhaengeneder Themen hat und diese Themen Schritt fuer Schritt entwickelt."

Mir scheint es wichtig zuhanden der Leser den Kategorischen Aspekt hier zu klären. Denn im Bereich der perspektivischen Relevanz halte ich die Klappe, das sollen die Leser „Innen und Aussen“ entscheiden.

Vorauszuschicken ist, dass ich als freier Journalist das Privileg habe, in verschiedenen Organen Texte unterzubringen. Der Blog dient deshalb auch als „Werkverzeichnis“. Wer alle Texte im Auge behalten will, verfolgt mich auf „twitter“ wo ich als „uertner“ einen Kanal habe.

Das „Set zusammenhängender Themen“ ist im semantischen Wortfeld „uerte“ enthalten, das als das Zauberwort des psychosozialen Zusammenhangs der „Willensnation Schweiz“ angenommen wird („swissness“ im Sinne der „histoire des institutions“ oder des „esprit des lois“). (Darüber habe ich an der Herbsttagung der Symbolforschenden Gesellschaft der Schweiz 1995 gesprochen). Als „uertner“ begebe ich in dieses semantische Feld und kommentiere daraus Tagesaktualität. Wichtig wird aber auch sein, über die Bruchzeiten der nationalen Geschichte nachzudenken. Dies in der Gewissheit, dass wir uns seit 1968 und zunehmend nach 1989 in einer Umbruchzeit uns befinden, in der es nützlich sein kann, die Klassiker vorangehender Bruchzeiten wieder ins Bewusstsein zu heben. Der erste Eintrag ist darum nicht nur eine Auslegung der Verfassungspräambel sondern auch eine Hommage an Jeremias Gotthelf (1797 – 1854), der in der letzten grossen Umbruchphase (1755 – 1848) der Sattelzeit mit grosser Wortgewalt die Idee des christlichen Staates verteidigt hat.

Weiter wird im Fokus die Zeit der Schweizergeschichte von 1515 – 1575 sein: die Epoche der Errichtung des bikonfessionellen Staatenbundes, der als europäischer „Sonderfall“ von Josias Simler 1576 in seinem grossen lateinischen Standardwerk zu Handen der europäischen Staatenwelt erklärt wurde.

Endlich werde ich mir erlauben auf die Zeit der „geistigen Landesverteidigung“ einzugehen (1933 – 1968), im Wissen, dass in dieser Epoche existenzieller Bedrohung Werke ans Licht gebracht wurden, die oft mit weit grösserer intellektueller Eindringlichkeit ausgestaltet wurden, als die Papierflut, die sich heute aus den vielen Hochschulen über uns ergiesst.

Dies mag genügen: ansonsten fragt.

Donnerstag, 4. September 2008

"grosse Flaschen" (botellones) und die "Führung"



Peter Hartmeier: "Das schrib ich morn i mim kommentar!"

Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben,
dem wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt
und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist.
(Mth. 18,6 nach Luther)


Der Mainstream, der am reinsten aus den Kanälen des Hauses Tamedia („content for people“) tönt, will von „Führung“ nichts wissen. Daniel Binswanger, der ab und an brillante Tagi-Kolumnist, macht sich in einer Kolumne, die erst auf der news-plattform freigeschaltet wurde, dann in das „Tagi-Magi“ Eingang fand über den Begriff an und für sich lustig und über alle, die nach „Führung“ verlangen (Gratis-Journalismus). Ein in der ganzen Blogosphäre und auf facts.ch euphorisch kommentiertes Interview von Tamedia-Edelfeder Seibt (per Volksakklamation „Journalist des Jahres 2007“), mit dem grossen erbsenzählenden Mediensoziologen und Empörungstheoretiker von Zürich, Prof. Dr. Kurt Imhof (Peter von Matt meinte über diese Sorte „Wissenschaftler“ einmal: „heute gilt ja schon die Beschaffung von Drittmitteln aus der Wirtschaft als wissenschaftliche Leistung“ – ähnlicher Fall: Prof. Dr. Mörgeli), legt den ganzen Opportunismus der „grössten Schweizer Tageszeitung“ schonungslos offen. Denn kaum hat der „botellon“ - ermutigt durch einen steuergeldfinanzierten „ordentlichen Professor“ (ein Züricher Ordinarius!) der Universität, der seinen Schwachsinn noch so gerne in das Mikrofon von Zivilschutz-Verweigerer Seibt absonderte – stattgefunden und kaum musste die vermüllte Blatterwiese auf Kosten der Steuerzahler gesäubert werden, entdeckte – hört, hört – der Chef von Seibt, der wendige Heuchler Peter Hartmeier (FDP), plötzlich die „Verantwortung für den öffentlichen Raum“ (Denn zahlende Abonnenten der Print-Ausgabe wollen, wie Imhof richtig diagnostizierte, Moral: „Die SP vertritt längst nicht mehr das Proletariat. Sondern den Mittelstand (Tagi-Abonnenten: Anm. der „Willensnation“). Und der kauft momentan Moral“). Ja – so fragen wir – hatte dieser Hartmeier, dieser scharfe Vordenker, nicht genug Fantasie, sich auszumalen, was passiert, wenn die heutige Jugend von einem durch sein Organ im Internet in Verbindung mit einem Kult-Journi tönenden professoralen Welterklärer zum öffentlichen Saufen ermutigt wird? „Das schrib ich denn no im mim Kommentar“ (auf den können wir nicht linken, den gabs am Dienstag nur für die zahlenden „Moralkäufer“) empörte er sich am Montagabend in Gillis Mikrofon (das auch der Tamedia gehört) der Chef des Tages-Anzeigers, der hinwiederum dem Jung-Raubauken der Juso (Ja, der mit dem Kiff-Provokatiönchen) aber in serviler Anbiederung zubilligte „philosophisch händ si rächt“. Tja, ist nun der Chefredaktor („macrobotellon“) des Tagi auch nur so ein imhofscher „Empörungsbewirtschafter“: es scheint so. Aber getoppt wurde der Chef der Zeitung gar vom Bundespräsidenten der schweizerischen Eidgenossenschaft („Couchepin el macrobotellon maximo“) der von seinem jährlichen Medien-Event in Zimmerwald aus (Moment: fand dort nicht ein Kommunistentreffen im Ersten Weltkrieg statt? Egal, wen schert schon Symbolträchtigkeit) ganz Staatsmann und eingedenk der dramatisch Fehler, die 1968 gegenüber der aufbegehrenden Jugend gemacht wurden (Res Strehle leidet noch heute), mit der saufwilligen Jugend „subito“ in den „Dialog“ treten will. Arme Helvetia. Die Swissair gegroundet, die UBS schlingert, die Armee pinkelt führungslos in die amerikanische Botschaft und schiesst unkontrolliert um sich, während die „oberste Landesbehörde“ der saufenden Jugend durch Couchepin und dem Welt-Terroristen Bin Laden durch Calmy-Rey den „Dialog“ anbietet. Nein wir brauchen keine Führung: Hauptsache die Empörung wird medial gut „bewirtschaftet“. Und so betrachtet ist Peter Hartmeier der „führende Mann“ der Branche. Eine grosse leere Flasche, die auf den Wogen des Zeitgeistes immer obenauf schwimmt. Tamedia-Aktien? Kaufen!