Samstag, 19. März 2011

Waldenser feiern 150 Jahre Nationalstaat Italien

Von: ref.ch News/17.03.11 11:53

Mit Überzeugung beteiligen sich die Waldenser an der 150-Jahr-Feier des Nationalstaates Italien, die am 17. März stattfindet. Sie betonen die Wichtigkeit der Einigung Italiens und des Beitrags, den die italienischen evangelischen Christen zum «Risorgimento» geleistet haben. Alle italienischen Protestanten hätten sich vor 1861 für die italienische Einigung engagiert.

Zwischen 1821 und 1850 nahmen zahlreiche politische Flüchtlinge den evangelischen Glauben an, weil sie die Freiheit der Heimat mit der in Christus gefundenen spirituellen Freiheit in Verbindung brachten, schreibt die Waldenser-Agentur Nev in ihrer Medienmitteilung. Sie erinnert auch an die vielen Italiener, die im 16. Jahrhundert nach dem Scheitern der Reformation in Italien ins Ausland ausgewandert sind. Ihre Nachkommen bildeten jenen toscanischen Evangelismus, der vom dortigen Grossherzog bekämpft wurde und das Interesse des internationalen Protestantismus auf sich zog. Genau diese Verfolgungen hätten den Bestrebungen zur Einigung Italiens gedient und schlussendlich die entscheidenden Aktionen von Cavour und Garibaldi favorisiert.

In Garibaldis legendärem «Marsch der 1000» gab es auch eine protestantische Legion, die vom Sekretär des englischen Premierminister Palmerston angeführt wurde. Dieser Ashley Shaftesbury war der Sohn des Präsidenten der Christian Alliance protestante.

Sonntag, 27. Februar 2011

Die promovierte Guttenbergiade

Karl-Theodor von und zu Guttenberg: Plagiator oder "Germany's next chancelor"?



Giorgio Girardet

Vor zwei Wochen titelten deutsche Blätter nach der Ablehnung der Waffen-Initiative: «Die Schweizer haben den Mythos gewählt». Seit bekannt wurde, dass Karl-Theodor von und zu Guttenbergs Dissertation zu grossen Teilen ein Plagiat ist, wählt auch Deutschland einen Mythos, nur: Ist es Hermann, der Held der Hermannsschlacht, oder Dr. Luther, der Held des Gewissens?
Noch ist nicht klar, welchen tragischen Mythos die Guttenberg-Affäre nehmen wird. Ist Freiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg, der für Afghanistan das ehrliche und knackige Wort «Krieg» entdeckte, derart als «cooler Baron» immunisiert, dass bei ihm wissenschaftliches Schummeln und Plagiieren und – die Indizien verdichten sich – gar eine falsche eidesstattliche Erklärung vor der Universität Bayreuth einfach am Teflon seiner reckenhaften Unverzichtbarkeit abprallen?
Dies die Gretchenfrage, die Kanzlerin und Volk ganz anders entschieden haben als die ernst zu nehmende veröffentlichte Meinung der gutenbergschen «Holzmedien». Denn ein deutscher Doktor ist seit «Dr. Luther» und «Dr. Faust» bis zu «Dr. Goebbels» ein Faszinosum und Tremendum. Guttenberg drohe «Schaden am Kosmos der bürgerlichen Werte» anzurichten, meinte deshalb die FAZ. Die wissenschaftliche Redlichkeit ist die tödliche Achillesferse des republikanischen Bildungsbürgers.
Aber ein von und zu Guttenberg ist «von Familie» und kein Bildungsbürger: «Scheiss auf den Doktor», riet darum die «Bild». Der Ehrbegriff einer republikanischen Leistungsgesellschaft liegt im Widerstreit mit dem Ehrbegriff des deutschen Kriegerstandes: Denn die Bundeswehr fühlt sich vom feschen Freiherrn, der eine Ururenkelin Bismarcks geehelicht hat, besser vertreten als seinerzeit vom angejahrten Juso Scharping, der mit einem Techtelmechtel mit einer angeheirateten Gräfin in die Klatschpresse kam.
Adelsprestige. Ein ähnliche, «dezisionistische» Frage stellte sich in Deutschland schon 1862, als Premierminister Otto von Bismarck dem König freie Hand für die Militarisierung Preussens und damit für die «Realpolitik» der Einigungskriege gab. Der deutsche Militarismus brach sich Bahn, die Folgen, vom drolligen «Hauptmann von Köpenick» bis zum Abgrund des Holocaust, sind bekannt. Deutschland, das sich noch vor zwei Jahren als 60-jährige Republik mit einer «gefestigten Demokratie» feierte, sieht sich mit historischen Kontinuitäten konfrontiert, die schemenhaft hinter dem Milchglas des provisorischen Grundgesetzes von 1949 hervorfeixen und auf Phänomene der «longue durée» (Mythen) verweisen. Um Sympathieträger Guttenberg schliesst sich die Wagenburg der Koalition, wie auch das «Klickvieh» der Meinungsumfragen im Cyberspace ihm zu Ehren auf die Tasten schlägt («Was braucht Guttenberg einen Doktor: Er hat einen 1200-jährigen Titel»). In der politischen Talkshow «Hart, aber fair» meinen seine Fürsprecher, dass er als reuiger Plagiator «in den Kreis» von Dr. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und «Kohls Mädchen» auch ohne den Doktor aufgenommen werden könnte.


"Frei ist der Bursch": Kaiser Wilhelm auf Kneipe, Nebelspalter 1891.
«Weisser Kreis». Im Bild des «Kreises» scheinen König Artus und die Ritter der Tafelrunde auf, aber auch jener «weisse Kreis», der es als innerster Zirkel des wilheminischen, schlagenden deutschen Verbindungswesens Prinzen aus regierenden Häusern ohne Schmisse und ohne lästigen Kollegien- und Seminarbesuch erlaubte, die zukünftigen bürgerlichen «wissenschaftlichen Mitarbeiter» und Beamten beim Bier kennen und führen zu lernen. Und dieser «weisse Kreis» – so sangen die wilhelminischen Studenten im Biersuff – «ist wie die Unschuld, blendend weiss».
Jener «weisse Kreis» der Corpsstudenten ging 1919 mit dem Kaiser unter, doch bestand bis 1961 in Deutschland ein «weisser Kreis» der schlagenden Burschenschaften mit den folgenden Zielen: «Konservative Grundhaltung gegenüber Bestrebungen zur Änderung oder Aufgabe der alten Überlieferungen» und «Eintreten für den völkischen Vaterlandsbegriff» (Wikipedia). Angeblich sind Bestrebungen im Gange, diesen «weissen Kreis» wieder ins Leben zu rufen.
Kohls Mädchen, das dekretierte: «Multikulti ist gescheitert», ist zur Meisterin der Realpolitik geworden. Im Superwahljahr, inmitten einer überhandnehmenden Politikverdrossenheit, zwischen den Herausforderungen der Euro- und Europa-, aber auch Natopolitik, erscheint ein imagemässig lädierter Sympathieträger von und zu Guttenberg für die Machtpolitikerin Merkel ideal: ein strahlender Kanzleranwärter mit disziplinarischer Beförderungssperre.
Heeresverfassung. Wenn der «Dr. zu Guttenberg» der Wissensgesellschaft uns als Farce den «Hauptmann von Köpenick» des preussischen Militarismus spiegelt, so müssten bei Guttenbergs Grossprojekt, der Abschaffung der «Allgemeinen Wehrpflicht», die Alarmglocken läuten. Im gleichen Jahr 1862, als Bismarck die Lückentheorie entdeckte, riet der jüdische Sozialist Ferdinand Lasalle Berliner Bürgern, darauf zu dringen, dass die Waffen den Bürgern übergeben würden.
Die Eidgenossenschaft verwirklichte diesen schon in den protestantischen Stadtrepubliken des Ancien Régime bewährten Grundsatz in der Verfassung von 1874 und bestätigte ihn soeben an der Urne. Deutschland steht in der Causa Guttenberg an einem tragischen Scheideweg. Die am Hindukusch kämpfenden Nationen hätten lieber die Waffen-SS an ihrer Seite, als dass sie den Zimperlingen der deutschen Wehrpflichtarmee immer wieder aus der Bredouille hülfen. Die endlosen deutschen Diskussionen um eine «Elite» und eine «Leitkultur» könnten im Deutschland der «eisernen Kanzlerin» in eine Refeudalisierung der Gesellschaft mit einem faustischen Kriegerkodex münden.
Dr. rer. pol Sarrazin als Buchautor: «wenig hilfreich», aber der adlige Plagiator Guttenberg als Kriegsminister: «unverzichtbar». Es könnte das Ende der bürgerlichen Leitkultur in Deutschland und damit auch in Europa bedeuten.
Erschien zuerst in der "Basler Zeitung" vom 26. Februar 2011. Wer in Zukunft solche Texte druckfrisch lesen will: hier abonnieren!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Schweizer Heereskunde (II) 1668 - 1848

Ausschnitt aus "Schweizer Heereskunde" von Karl Egli, Oberst im Generalstab: Mit einer geschichtlichen Einleitung von Oberst M. Feldmann. Zürich, zweite Auflage, Schlulthess & Co. 1916. S. 18 -

[p. 18]
{Defensionale 1668}
Am 18. Mörz 1668 wurde in Baden das Eidgenössische Defensionale beschlossen

"zue unsers allgemeinen Standes und VaterLandes nothwendiger beschirmung
und erhaltung der von unsern Lieben altfordern so theür Erworbenen herrlichen
Freyheiten."


Diese Wehrverfassung war ein bedeutender Fortschritt und konnte - im vaterländischen Sinne weitergeführt - die Grundlage zu einer für das ganze Volksleben segensreichen Weiterentwicklung des Wehrwesens werden.
Die Einteilung der Streitkräfte in 3 "Auszüge" (GG: die späteren "Heeresklassen"?: Auszug, Landwehr, Landsturm) wurde beibehalten. Der 1. Auszug follte aus 13'400 Mann Infanterie, 400 Reitern und 18 Geschützen bestehen. Für den 2. und 3. Auszug war den Orten noch 2 mal soviel Mannschaft vorgeschrieben, so dass eine Armee von rund 40'000 Mann Infanterie,
1200 Reitern und 48 Geschützen aufgestellt werden konnte.
Der 1. und 2. Auszug wurden in zwei "Armeen" geteilt, an deren Spitze je sechs Stabsoffiziere
der verschiedenen Orte standen, und zwar

"ain Oberster feldthauptmann, ain Obrister feldtwachtmeister ain [p. 19] Obrist über die Artillerie, ain Quartiermeister, ain Provos, ein Wagenmeister."

Je eine "qualificierte Standesperson" und ein hoher Offizier jedes Ortes bildeten einen Kriegsrat, dem grosse Kompetenzen eingeräumt waren. Die Herren vertraten im Felde die Obrigkeiten, sie sollten

"getreüwlich und üffrichtig Beratschlagen, helffen, was Sie bei Ehr,
Eiden und gewüssen dem gemeinen lieben vatterland vortheilig fürstendig und
erspriesslich erachten mögen"

Der Kriegsrat konnte nach Bedarf Truppen aufbieten, Frieden schliessen, verfügte über die materiellen Hilfsmittel des Landes und hatte die Aufgabe, den

"feindt Zuesuchen, an Zegreiffen, Zeschlagen, nachzeJagen auch in
seinem eigenen Landt zue Verfolgen"

Als Verpflegung sollte jeder Soldat täglich, 1 1/2 Pfd. "Commisbrod" und als Besoldung wöchentlich 1/2 Louis erhalten auf Kosten der Orte.

Die Armee sollte jederzeit mit "Wehr und Waffen, Kraut und Loth" kriegsbereit sein. Die Orte hatten für genügende Verpflegungsvorräte - besonders an der Grenze - zu sorgen.

In Art. 10 wird die Grenzbewachung geregelt. Die Grenzorte sollen "Bei anscheinender gefahr", also rechtzeitig und eventuell vor Kriegsausbruch "vorderist alle Päsz der notrufft nach Besetzen und Bewahren". "Sändungen bei den annähernden völkern", d.h. Patrouillen über die Grenze dem feindlichen Heere entgegen, sollten dessen "Intention so vill möglich erfahren" und sofort an die "KriegsRäth" melden.


Hochwacht von Erlach (Kt. Bern) mit Blick auf die Petersinsel

{Chutzen}

Eine grosze Zahl optischer Signalstationen, die sog. Hochwachten oder Chutzen ermöglichten die Weiterleitung solcher Meldungen und erleichterten eine rasche Alarmierung der Mannschaften.

Diese Hochwachten wurden bei drohender Kriegsgefahr von einigen Mann bezogen. Zu der Einrichtung gehörte in der Regel ein Wachhäuschen mit den nötigen Instrumenten zur Orientierung, wie Quadrant oder [p. 20] "Absichtsdünchel" usw., ferner Holz oder eine Harzpfanne, später eine Anzahl Musketen und Mörser.

Bern hatte 156, Freiburg 33, Thurgau 56 Hochwachten. Zürich war mit dem Rheintal, Bünden, Glarus und Basel verbunden. Bei günstiger Witterung konnten in einer Viertelstunde sämtliche Hochwachten des Kantons Zürich benachrichtigt werden.


Obersee-Gebiet mit Rapperswil und Wurmsbach auf der Gyger-Karte von 1676

{Militärkarte}
Auch in anderer Weise suchte Zürich seine Kriegsbereitschaft zu vervollkommnen. 1619 erteilte der Rat einigen Ingenieuren den Befehl eine Militärkarte des Kantons und der angrenzenden Gebiete herzustellen. Die Herren hatten nicht nur die "orther und päsz uffzerysen, die Landtstraszen, steg, wäg, flüsz, fahr, möszer, sümpf, büchel, hinderzüg ze verzeichnen", sondern sollten auch £Angaben machen, "das Land ze bevestenen und gegen den fynt wehrhaft ze machen mit Batterien, Wällen, Schanzen, verborgenen Wachten etc." Bereits 1620 lag eine Karte der Nordostschweiz vor, die nach dem Namen ihres Autors, des bekannten Topographen Gayger, die "Gygersche" genannt wird.

{Kriegskasse}

Von den späteren Ergänzungen zum Defensionale - bis 1674 - ist die Errichtung der Kriegskasse zu erwähnen. Jeder Ort sollte für zwei Auszüger 1 Thaler einbezahlen; die Verwaltung der Kasse war streng geregelt. Als Hauptzweck der Armee wurde der Schutz der Neutralität bezeichnet.*

1672-74 versammelten sich die Kriegsräte oft und arbeiteten mit Fleisz an der Weiterentwicklung des Wehrwesens; aber leider wurde diese durch die Oppo=[p.21]sition einzelener Orte verunmöglicht, indem eine höchst unpatriotische Hetze gegen das Defensionale einsetzte.

Trotzdem hat diese Wehrverfassung dem Lande gute Dienste geleistet. Öfters verhinderte schon ihre Existenz Durchmärsche feindlicher Truppen. In der Regel genügten die Aufforderung an die kriegführenden Parteien, die Neutralität zu respektieren, und die Bereitstellung des 1. Auszuges. Das war im Fall im Julit 1673, im Oktober 1676, im Juli 1677. 1678 kamen die Defensionaltruppen zu spät, aber die Grenzverletzung bei Riehen war sehr gering. Weitere Versuche, z.B. der beabsichtigte Rheinübergang bei Rheinfelden, wurden aber durch die 2'650 Mann Grenztruppen verhindert. Schanzen an der Birs, bei Augst, an der Hülfftenbrücke sollten diesen Grenzschutz erleichtern. 1689 standen vom Juni bis September 2520 Mann bei Basel. Als Kuriosum mag erwähnt werden, dasz in diesem Falle beide Kriegführenden, der Kaiser und der französische König, die Kosten der eidgenössischen Grenzbewachung zum grossen Teil trugen: jeder mann erhielt monatlich fünf Louistaler. Erst im März 1691 kehrten die Grenztruppen nach Hause zurück.

Im eidg. "Schirmwerk" vom 7. September 1702 wurde das Defensionale bestätigt.

{18. Jahrhundert}

(Fortsetzung folgt)

Dienstag, 25. Januar 2011

Gnadenglanz

Susanne Schwagers "Ida" erkundet die Wertewelt des schweizerischen Katholizismus

Giorgio Girardet

Mit der Lebensbeichte ihres antiklerikalen Grossvaters machte sie 2004 den Metzger Hans Meister zum heimlichen Star der Schweizer Literatur. In «Ida» jetzt widmet sie sich ihrer katholischen Grossmutter und vollendet – nach «Die Frau des Metzgers» – die Trilogie ihrer Familienaufstellung.

Was wissen wir Aufgeklärten noch vom abgrundtiefen Glauben? Wir, die wir um das Linsengericht eines Castings im Bikini das Himmelreich verspielen?

Dass es absolute Werte geben muss, ahnte Susanna Schwager in der modrig-kampfgeschwängerten Wohnung ihrer Grossmutter Ida, einem Kirchenlicht in katholisch Örlikon. Deren Küsse wurden der Enkelin zum Wegweiser in die schroffe Gottseligkeit des vorkonziliarischen Katholizismus des «Heiligen Strichs» um Bichelsee nahe dem Kloster Fischingen, wo der bärtige Seelenhirte Evangelist Traber über die Jungfrauenkongregation wachte und die unberührten Bräute Klöstern oder frommen Katholiken zur Christenzucht zuführte.

Ida aber musste Johannes, den Hilfsförster, nehmen und ihn an ihr im falschgläubigen Örlikon ein paarmal seine Mannespflicht vollziehen lassen. Ein Leben mit vielen Kindern und wenig Brot.

Schreibarbeit. Anders als in ihrem Werk «Fleisch und Blut», wo Susanna Schwager des Grossvaters sprudelnde Lebensbeichte gestalten durfte, und anders auch als bei der «Frau des Metzgers», wo sie das familiäre Raunen über den Inzest zu einem vielstimmigen Chor montieren konnte, musste Susanna Schwager die Glaubenswelt der Grossmutter Ida aus Brevieren, frommen Traktaten, Nachrufen und Predigtnotizen der Beichtväter und aus Verwandtenbriefen rekonstruieren.

In gewohnt musikalischer Sprache gelingt es Schwager, gefundene und erfundene Motive fugenhaft zu einem dichten Text zu weben. Und so legt man dieses Buch nicht aus den Händen, bis die letzte Zeile verklungen ist und man den Weihrauchduft von «säbi zyt» durch Leben, Wirken und Sterben der Ida erschnuppert hat.

Man wünschte sich die Trilogie in Leinen und Fadenheftung bei einem renommierten Literaturverlag. Sie gehört neben Charles Lewinskys «Melnitz», neben Alex Capus Erzählwerk und Walter Kempowskis «Heile Welt» in die Epoche des post-ideologischen, humanistischen Realismus. Die grosse Resonanz, die Susanna Schwager mit ihrem Schreiben findet, macht sie den Gralshütern des Feuilletons suspekt. Ihre Beliebtheit erklärt sich aus dem Geheimnis ihrer Kunst, so etwas wie den Gnadenglanz Gottes in ihrer dichten Erzählung aufscheinen zu lassen. In der lichten Würdigung dessen, was war, wird Literatur zur verborgenen Theologie. Hierin gleicht sie Gotthelf und dem «kitschigen» malenden Theologen Albert Anker.

Obwohl sie sich «unreligiös» nennt, endet ihr barockes Figurengedicht auf dem Frontispiz zur «Ida» mit der Zeile «wo Gott hockt». Und diese Gottsuche ist nicht nur Schwagers Geschäft, es ist jenes der Dichtkunst.

> Susanna Schwager: «Ida». Wörterseh Verlag, Gockhausen 2011. 216 S., ca. Fr. 33.–.

Erschien in der "Basler Zeitung" vom 21. Januar 2011 in "Kultur". Abonnements hier.

Montag, 24. Januar 2011

Wuchtiges Erbe



Kanzel-Geschichten (1) – Pfarrerin Käthi La Roche predigt dort, wo die Zürcher Reformation begann: im Grossmünster. Die Kanzel von Reformator Huldrych Zwingli steht zwar nicht mehr, aber dessen Predigt-Tradition setzt La Roche fort.

Von Giorgio Girardet*

«Zu Beginn hat es mich etwas eingeschüchtert, am Ort, wo Zwingli wirkte, zu predigen», sagt Pfarrerin Käthi La Roche. Auch heute noch flösst ihr der Kirchenraum Respekt ein: «Hier wurde seit Jahrhunderten jeden Sonntag gepredigt, ganze Generationen haben ihre Kinder getauft und ihre Toten beweint.»

Geschichtsträchtig

Käthi La Roche predigt Sonntag für Sonntag an einem geschichtsträchtigen Ort: Von der Grossmünsterkanzel hat Huldrych Zwingli am 1. Januar 1519 in Zürich die Reformation eingeläutet: Er verkündete, er werde fortan nicht mehr der bisher verbindlichen liturgischen Ordnung des katholischen Kirchenjahres, den Perikopen, folgen, sondern seiner Gemeinde in mehreren Predigten das ganze Matthäus-Evangelium auslegen. Damit führte er die «lectio continua» ein, wie diese Art zu predigen in der theologischen Fachsprache heisst.

Allerdings: Die Kanzel, die Käthi La Roche am Sonntag besteigt, ist nicht die Kanzel, auf der Reformator Zwingli vor knapp fünfhundert Jahren predigte. Zwar ist sie, wie es zur Zeit Zwinglis üblich war, in gotischen Formen gehalten. Tatsächlich aber ist die heutige Grossmünsterkanzel der letzte Überrest der Umgestaltung des Grossmünsters im neugotischen Stil aus dem Jahr 1853.


Opfer des Bildersturms

Oft überleben Kanzeln den Umbau von Kirchenräumen. Doch ausgerechnet die Kanzel, auf der in Zürich die Reformation begann, fiel der Reformation zum Opfer: Das aufgebrachte Volk zerstörte sie 1524. Im Bildersturm wurden alle Altarbilder, Schnitzereien und Bilder aus den Kirchen getragen und vernichtet. Man weiss deshalb heute nicht mehr genau, wo die Kanzel des Reformators ursprünglich gestanden hat. Der Kunsthistoriker Daniel Gutscher vermutet, dass sie sich, wie auch in anderen Kirchen üblich, gegenüber der Orgel vor einem der östlichen Pfeiler des Mittelsschiffs befand.

Erst zwei Jahre nach dem Bildersturm wurde im Grossmünster eine neue Kanzel errichtet. Sie entsprach der «neuen Lehre» der Reformation: Die katholische Messe galt als überwunden, und neu stand das Wort im Zentrum des reformierten Gottesdienstes. Dieses Programm wurde auch architektonisch umgesetzt: Die Kanzel als Ort der Verkündigung rückte in den Mittelpunkt des Kirchenraumes. Sie ersetzte den Altar, der das Zentrum der katholischen Messe gewesen war.

Um diesen Wandel symbolisch zu untermauern, wurden aus allen Kirchen Zürichs die Altarsteine entfernt und für den Bau eines Lettners verwendet, einer Trennmauer zwischen Chor und Hauptschiff des Grossmünsters. Auf dem Lettner wurde daraufhin ein Balkon mit einer Kanzel errichtet. Diese Lettnerkanzel bestieg im Jahr 1531 Zwinglis Nachfolger Heinrich Bullinger, nachdem der Reformator in der Schlacht von Kappel sein Leben gelassen hatte. 1853 wurde sie entfernt und durch die heutige, neugotische Kanzel ersetzt.

Erbe bewahren

Bullinger setzte die von Zwingli eingeführte «lectio continua» fort. In den ersten zwölf Jahren seiner Predigttätigkeit – er predigte fast jeden Tag – behandelte er die ganze Bibel von Anfang bis Ende. Diesem Erbe ist Pfarrerin Käthi La Roche noch heute verpflichtet. Zusammen mit ihrem Amtskollegen Christoph Sigrist wählt sie abwechselnd ein Buch des Alten und des Neuen Testaments aus und gestaltet darüber eine Folge von Predigten. «Ich kann nicht auf die Kanzel steigen, ein Gedicht aufsagen und dann darüber improvisieren», grenzt sich Käthi La Roche gegen neuere Predigtstile ab. «Wir haben hier ein reformatorisches Erbe zu bewahren, diese Kirche muss ein klares Profil haben. Das heisst für mich auch Treue zur Wortauslegung.»

* Giorgio Girardet, Historiker, hat die Serie «Kanzel-Geschichten» für den «Kirchenboten» konzipiert.

Kanzel-Geschichten
Längst nicht mehr alle Pfarrerinnen und Pfarrer steigen zum Predigen auf die Kanzel. Früher war das anders. Die Serie porträtiert sechs Kanzeln im Kanton: Was haben sie für eine Geschichte, und wie gehen Pfarrerinnen und Pfarrer heute mit ihnen um?

Erstveröffentlichung im "Kirchenboten für den Kanton Zürich" Ausgabe 20, 18. Oktober 2006

Sonntag, 23. Januar 2011

Werkverzeichnis mit Links 1991 bis September 2008

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13.08.08 / Wegweisende Kompetenz / Nebelspalter-Blog

01.07.08 / Das geheime Sitzungsprotokoll der SP-Frauen / Nebelspalter (2008/6)

27.06.08 / Von Winkelried zur PIN / NZZ

01.06.08 / Ueber staatlich geförderte Kunst / Nebelspalter (2008/5)

16.05.08 / Rede an die verluderte Schweiz (Netz-Zweitverwertung) / news.ch
16.05.08 / Rede an die verluderte Schweiz (Netz-Zweitverwertung) / nachrichten.ch

09.05.08 / Lateinische Leitsätze neu aufgelegt: Bullingers „Hausbuch“, ein Bestseller des 16. Jahrhunderts / Zürcher Oberländer

01.05.08 / Tito´n´Tell: Vom Saubannerzug / Nebelspalter (2008/4)
01.05.08 / Baldinger schaltet auf digital / Nebelspalter (2008/4)
01.05.08 / Offene Rede an das verluderte Schweizer Geschlecht / Nebelspalter (2008/4)

01.03.08 / Tito´n´Tell: Vom verlorenen Blut in Nancy / Nebelspalter (2008/2)

01.02.08 / Tito´n´Tell: Vom verlorenen Mut in Murten / Nebelspalter (2008/1)

30.01.08 / Das neue Du: Die neue Avantgarde ist das gebildete Bürgertum / facts.ch
28.01.08 / Bloggender Pfarrer trifft Metzger (Hinweis auf NZZ) / facts.ch

28.01.08 / Der neue Pfarrer von St. Peter im «Examen» / NZZ

18.01.08 / „Achtung, hier wird scharf geschossen“ / Das Magazin

07.01.08 / Klageweib, das (Girardets kleines Lexikon der Schweiz) / facts.ch


2007

31.12.07 / Wiege der Swissness (vollständige Version) / facts.ch

09.12.07 / Räte! Lasst Herrn Blocher müssig gan! / facts.ch

07.12.07 / Tito´n´Tell: Vom Teufel / Nebelspalter (2007/10)
07.12.07 / Baldinger wählt Blocher / Nebelspalter (2007/10)

08.12.07 / Die Wiege der „Swissness“ / NZZ

27.11.07 / Solidschweiz, die (Girardets kleines Lexikon der Schweiz) / facts.ch

10.11. 07 / Das Waterloo der «Frauen-Partei» (Zweitverwertung) / facts.ch

01.11.07 / Tito´n´Tell: Von der ewigen Spinne / Nebelspalter (2007/9)

01.10.07 / Tito´n´Tell: Vom Geheimplan / Nebelspalter (2007/8)

01.09.07 / Tito´n´Tell: Von Söhnen, wie St.Jakob sie sah / Nebelspalter (2007/7)

07.07.07 / Tito´n´Tell: Vom Alten Zürichkrieg (2. Teil) / Nebelspalter (2007/6)

01.07.07 / Brief eines Patrioten: „Kinder aufs Rütli“ / Das Magazin

23.06.07 / Alpaufzug auf Strassberg / NZZ

01.06.07 / Tito´n´Tell: Vom Alten Zürichkrieg (1. Teil) / Nebelspalter (2007/5)

29.05.07 / «Besprechung beruflicher Fragen und Pflege kollegialen Lebens» / NZZ

01.05.07 / Tito´n´Tell: Von den ennetbirgischen Episoden / Nebelspalter (2007/4)

xy.04.07 / Das Ehebuch des Patriarchen (Rezension von Bullingers Ehebuch) / Weltwoche (2007/14)

14.04.07 / Lob der „Chäfer“ / NZZ

10.03.07 / Wen das Vaterland ruft: Wie die Armee an einem Rekrutierungstag ihren Nachwuchs auswählt / NZZ

01.03.07 / Tito´n´Tell: Von den Aargauern / Nebelspalter (2007/2)

26.02.07 / Mit Neubürgern gegen politische Spannungen: Masseneinbürgerungen im alten Zürich / NZZ

25.02.07 / Unser Mann im Call-Center: „Schön, dass wir Sie erreichen“ / Das Magazin

16.02.07 / Die Wegleitung: Von einem Helvetismus, der gerade Saison hat / NZZ

01.02.07 / Tito´n´Tell: Von der Masseneinbürgerung / Nebelspalter (2007/1)

19.01.07 / Kronzeuge der Enge: Carl Albert Loosli, streitbarer Selfmade-Intellektueller / Basler Zeitung

18.01.07 / Kanzelgeschichten (6): „Hier braucht es keine Kanzel“ / kirchenbote (2007/2)

04.01.07 / Kanzelgeschichten (5): „Die Kanzel selber ist eine Predigt“ / kirchenbote (2007/1)

02.01.07 / Schuss von der Kanzel: Endlich, die Bibelin ist da / Das Magazin / Echo


2006

19.12.06 / «Da bin ich gern volkstümlich». Im Gespräch mit Alex Capus über alte und junge Unternehmen. / Basler Zeitung

18.12.06 / Helvetische Errungenschaften: Nebelspalter / NZZ

xy.12.06 / Kanzelgeschichten (3): Wuchtiges Überbleibsel / kirchenbote (2006/22)

xy.12.06 / Gender Studies: Meier, bei Ammann / Das Magazin (2006/50)

26.10.06 / Helvetische Errungenschaften: Freibergerpferd / NZZ

18.10.06 / Kanzel-Geschichten (1): Wuchtiges Erbe / kirchenbote (2006/20)

29.06.06 / Wahlkampf in der S-Bahn / Wochenzeitung

24.06.06 / Die Kandidatinnen auf Wählerfang / Zürcher Oberländer

29.05.06 / Der Traum lag in der Luft: Zu Besuch bei „Lisan“, dem Basler Verlag für arabische Literatur / Basler Zeitung

13.05.06 / Die Kletterstange / Das Magazin

05.05.06 / Emanzipation in Haydns Oper: Dusan Simko kümmert sich um „Esterházys Lakai“ / Basler Zeitung

26.04.06 / „Arbeiten für die Ewigkeit“: Wie die Landesbibliothek auf „Googles Herausforderung“ reagiert / Basler Zeitung

27.03.06 / swissness: Indiskretion, die / Basler Zeitung

10.03.06 / Der Melnitz-Komplex: Jüdischer Schweizerspiegel oder Schweizer Judenspiegel? / Basler Zeitung

27.02.06 / swissness: Kircheneintritt, der / Basler Zeitung

22.02.06 / Die Sache mit den Besten: Wie Bücher auf Bestsellerlisten klettern und in die Medien schlüpfen / Basler Zeitung

13.02.06 / swissness: Theatergemeinde, die / Basler Zeitung

04.02.06 / Ein „Touch of Fame“ am Dada-Haus / Basler Zeitung

30.01.06 / swissness: Tantenstadt, die / Basler Zeitung

16.01.06 / swissness: Gersauer, die / Basler Zeitung

02.01.06 / swissness: Berchtoldstag, der / Basler Zeitung


2005


12.12.05 / swissness: Achillesferse, die / Basler Zeitung

01.12.05 / Tito´n´Tell: Vom Teufel / Nebelspalter (2005/9)???

28.11.05 / swissness: Mannwerdung, die / Basler Zeitung

14.11.05 / swissness: Martinimahl, das / Basler Zeitung

10.11.05 / Letzlich geht es um Karrieren: Kommt Schweizer Geschichte wegen deutscher Historiker zu kurz? / Basler Zeitung

01.11.05 / Tito´n´Tell: Vom Teufel / Nebelspalter (2005/9)

31.10.05 / swissness: Agglomeration, die / Basler Zeitung

15.10.05 / swissness: Nebelspalter, der / Basler Zeitung

11.10.05 / Helvetische Errungenschaften: Modellbaubogen / NZZ

07.10.05 / Die konservative Wende / Nebelspalter (2005/8)

01.10.05 / swissness: Fauxpas, der / Basler Zeitung

17.09.05 / swissness: Bettagsmandat, das / Basler Zeitung / Echo

10.09.05 / swissness: Jungbürgerfeier, die / Basler Zeitung

03.09.05 / swissness: Gleichstellungsbüro, das / Basler Zeitung

02.09.06 / Tito´n´Tell: Von den Strömen / Nebelspalter (2005/8) / Echo

13.08.05 / swissness: Hirtenamt, das / Basler Zeitung

30.07.05 / swissness: Höhenfeuer, das / Basler Zeitung

19.07.05 / Erwürgt, erhängt, geflohen, gestellt: Kriminalbilder aus dem Polizeiarchiv von Los Angeles im Kunsthaus Zürich / Basler Zeitung

13.07.05 / 13 Koffer Fremdheit: „Jeder ist ein Fremder – fast überall“ – eine Ausstellung im Landesmuseum Zürich / Basler Zeitung

16.07.05 / swissness: Staatsdesign, das / Basler Zeitung

02.07.06 / Tito´n´Tell: Von der Heimat / Nebelspalter (2005/7) / Echo

02.07.05 / swissness: Obligatorische, das / Basler Zeitung

25.06.05 / Fotografie als Staatskunst: Die Illustren des Bundes - ein Porträt der Schweiz. / Basler Zeitung

20.06.05 / swissness: Seifenoper, die / Basler Zeitung

25.04.05 / Merci, Harry! Abschied von Harald Szeemann / Basler Zeitung

09.04.05 / Wo die Hirschhorn-Million fehlen wird / Basler Zeitung

09.04.05 / swissness: Heimatort, der / Basler Zeitung

01.04.05 / Es ist eine Frage der Ehre: Swissness, politische Kultur, Christoph Mörgeli und alt Bundesrat Kaspar Villiger / Basler Zeitung

26.03.05 / swissness: Schweizergeschichte, die / Basler Zeitung

12.03.05 / swissness: Bernergeist, der / Basler Zeitung

11.03.05 / Die Umkehrung des Pissoirs: SVP-Literat Freysinger im Dada-Haus / Basler Zeitung

26.02.05 / swissness: Verfassung, die / Basler Zeitung

25.02.05 / Stuckrads erster Ernstfall / Basler Zeitung

19.02.05 / Eine Kultur in der Defensive: „La dolce lingua“: Das Schweizer Landesmuseum huldigt Italien / Basler Zeitung

12.02.05 / swissness: Tambour, der / Basler Zeitung

29.01.05 / swissness: Bastelbogen, der / Basler Zeitung



2004


„Vom Mammut zum Big Mac: Die Geschichte vom Fleisch“. In: Das Fleisch: Wissenswertes rund ums Fleisch. (Weber Verlag). Thun, (2004)

xy.12.04 / Swissness-Lexikon (VII): Metzler-Effekt, der / Das Magazin (50/2004)

31.08.04 / Historiker Bullinger noch unentdeckt: Für Geschichtsprofessor Anthony Grafton ist der Zürcher Reformator ein bedeutender Historiograph. / Zürcher Oberländer

xy.08.04 / Swissness-Lexikon (VI): Mutterschaftsversicherung, die / Das Magazin (36/2004)

xy.xy.04 / Swissness-Lexikon (V): Fixerstübli, das / Das Magazin (xy/2004)

19.07.04 / Der Vater der reformierten Kirche (gek. Zweitauswertung) / Landbote

14.07.04 / Heinrich Bullinger: Vater der Reformierten Kirche: Theologe, Historiker und Schriftsteller: Am 17. Juli feiert der Nachfolger Zwinglis seinen 500. Geburtstag. / Zürcher Oberländer

xy.03.04 / Swissness-Lexikon (IV): Sechseläuten, das / Das Magazin (16/2004) Echo

xy.03.04 / Swissness-Lexikon (III): Wegleitung, die / Das Magazin (13/2004)

xy.03.04 / Swissness-Lexikon (II): Bundesratsfeier, die / Das Magazin (11/2004)

xy.01.04 / Swissness-Lexikon (I): Nachschiessen, das / Das Magazin (02/2004) Echo


2002


30.01.02 / Tiere erhalten Rechte und einen Anwalt / Zürichsee-Zeitung

17.01.02 / UNO-Podium mit Heimvorteil für SVP-Vertreter / Zürichsee-Zeitung/Rechtes Ufer

16.01.02 / „Wir haben Ideen, Mut und Know-how“ / Zürichsee-Zeitung

14.01.02 / Politik klagt die Justiz an / Zürichsee-Zeitung

07.01.02 / Der „Euro-Techniker“ hat genug / Zürichsee-Zeitung
07.01.02 / Eine wahre Bilderbuch-Karriere / Zürichsee-Zeitung


2001

24.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

22.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

21.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

20.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

19.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

18.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung
18.12.01 / Die Jungen nutzten die Chance / Zürichsee-Zeitung/Rechtes Ufer

17.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

15.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

14.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

13.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

12.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

11.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

10.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

04.12.01 / „Adventsfenster“ / Zürichsee-Zeitung

25.07.01 / Für die Leserschaft gegen den Strom: zum Tod eines aussergewöhnlichen Journalisten (Indro Montanelli) / Landbote

03.03.01 / Der Judenmord von 1349: Der heilige Matthias und die Zürcher Mordnacht / NZZ


1996


10.12.96 / Jakob Brunner, ein Pionier des Illustrationsdrucks (3.Teil). / DruckIndustrie Nr.23-24/1996. Sn. 43 - 45

19.11.96 / Jakob Brunner, ein Pionier des Illustrationsdrucks (2.Teil). / DruckIndustrie Nr.22/1996. Sn. 43 - 46

05.11.96 / Jakob Brunner, ein Pionier des Illustrationsdrucks (1.Teil). / DruckIndustrie Nr.21/1996. Sn. 39 - 42


1995


30.01.95 / Die Rückkehr der Widderzunft an den Rennweg / NZZ


1994


14.03.94 / Eine haarige Geschichte: Nestroys „Talisman“ im Kurtheater Baden / Brugger Tagblatt

In den Jahren 1991 – 1997 entstanden über 200 Theaterkritiken aus dem Kurtheater Baden für das jetzt zur „Aargauer Zeitung“ gehörende Kopfblatt „Brugger Tagblatt“


1991

07.03.91 / Vom nachmetaphysischen zum nachkommunistischen Lehrstück: "Der gute Mensch von Sezuan" im Kurtheater Baden / "Brugger Tagblatt" (heute "Aargauer Zeitung")

01.03.91 / Mehr Transparenz an der Uni: Zur Aenderung des Unterrichtsgesetzes am 3. März / „Vorwärts“

25.02.91 / Berufungsk(r)ämpfe: Hintergründe zur Abstimmung vom 3. März / "Zürcher StudentIn" Nr. 29

xy.02.91 / Nach drei Jahren (fast) am Ziel: Vorgeschichte der Mitbestimmungsabstimmung / "Zürcher StudentIn"

27.01.91 / Mitbestimmung - eine universitäre Tradition (2. Teil und Schluss) /
"Zürcher StudentIn"

20.01.91 /Mitbestimmung - eine universitäre Tradition / "Zürcher StudentIn"

Freitag, 10. Dezember 2010

Dieser Autor hat Mühe mit der Vernunft

Erstaunliche Replik auf meinen Bettagsbeitrag in der "Basler Zeitung".

Georg Kreis

Es ist erschreckend und trotz allen Gegebenheiten erstaunlich, dass Giorgio Girardet an dieser Stelle (BaZ vom 18. 9. 2010) den eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag dazu hat missbrauchen können, um gegen Miteidgenossen zu polemisieren und gegen Institutionen Stimmung zu machen. Ihn stört offenbar die Vernunft oder die Gruppe des «Club Helvétique», die sich unter anderem auf Vernunft beruft. Dem Wörterbuch des Unmenschen hat er das Wort des «Vernunftlärms» als Neuschöpfung hinzugefügt. In seinen eigenen Wortabsonderungen ist von Vernunft wenig zu spüren, wenn man darunter die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion und entsprechender Selbstdisziplinierung versteht. Was Girardet aber implizit offenbar noch mehr stört als die rationale Vernunft, ist das Moralische an der Vernunft, das sich auch an der Frage orientiert, ob das für andere auch gut ist, was wir tun. Wäre ein herrliches Bettagsthema gewesen.

Stattdessen wirft er den «Kulturschaffenden» in gröblicher und völlig unzutreffender Weise vor, «sich in jüngster Zeit vor dem Gegenwind aus dem Albisgüetli unter die Rockschösse des Präsidenten der Eidgenössischen Antirassismuskommission» (EKR) zu flüchten. Das ist umso peinlicher, als der Verfasser selbst ganz offensichtlich an den Rockschössen eines Christoph Blocher hängt. Dieses Diskussionsniveau ist zu tief, als dass man es da aufnehmen könnte.

Es sticht Girardet offensichtlich, dass Menschen, die sich über menschen- und rechtsverachtende Entwicklungen im Lande Sorgen machen und sich nicht im «Albisgüetli», sondern an anderen Orten privat zusammentun, sich etwa als «Club Helvétique» oder als Vereinigung «Kunst+Politik» bezeichnen. Letztere hat sich übrigens gerade am Bettag in Thun wieder zusammengefunden, und sie hat sich überhaupt nicht unter die «Rockschösse» des EKR-Präsidenten begeben, sondern umgekehrt diesen schon im Januar dieses Jahres mit gegen 1000 Unterschriften gestützt, als die «Blocher-Partei» zu Beginn dieses Jahres diesen einmal zu eliminieren versuchte. Das ist es, was Girardet in diesem Fall zur «Intellektuellen»-Hatz geführt hat.

Der in der BaZ veröffentlichte Text ist an sich bereits deftig genug. Wenn man aber noch Weiteres kennt, was dieser Herr von sich gibt, dann wird dessen Auftritt noch bedenklicher. Girardet polemisiert an anderer Stelle gegen die «Berufsintellektuellen» (Juristen, Ärzte, Professoren, Unternehmer, Lehrer etc.). Wörtlich: «Das Problem bilden heute die wehleidigen Subventionsliteraten, die oft militärisch und zivil ‹dienstuntauglich› sich als ‹Künstler› ein Auskommen erschnorren. Muschg war Professor und Oberleutnant» (Blog-Beitrag, «Tagi»-Online, 18. 9.). Mit solchen Anwürfen und Ausfällen qualifiziert er sich offenbar als Kulturkritiker. Wir leben wieder einmal in Zeiten, in denen die Intellektuellen als disqualifizierende Vokabeln verwendet werden. «Club» und «Kunst+Politik» pflegen vor allem Klärung und Verständnis und sind nicht so sehr auf Propaganda bedacht. Es sind die feindseligen Angriffe, die ihnen Bekanntheit verleihen – was möglicherweise auch eine gute Seite hat.

Girardet hat seinen mentalen Gegnern empfohlen, sich am Sonntagmorgen im Basler Münster doch eine Predigt anzuhören. Der «Club Helvétique» war an diesem Sonntag Gast der Paulus-Akademie in Zürich und der Schreibende Gastprediger in Meilen, in einer Gegend also, von der unzutreffend schon gesagt worden ist, dass sie Blocher-Land sei.

Und hier meine Duplik (nur im Netz)